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Streetsoccer in Laupen - eine Traumstory

Till Baumann 01.06.2018

Im Mai 2017 haben wir, die Regionale Offene Kinder- und Jugendarbeit Sensetal (ROKJA), erstmals ein Streetsoccerfeld der Laureus Sportstiftung gemietet und für zwei Wochen auf dem Roten Platz beim Schulhaus aufgestellt. Bei den Kindern und Jugendlichen kam diese Idee sehr gut an. Gefühlt in jeder freien Minute sah man jemanden auf dem Streetsoccerfeld kicken und Spass haben. Doch eine Gruppe junger Männer wollte mehr als das. Denn mit dem Mieten der Anlage erhält man zugleich die Möglichkeit, Mannschaften in verschiedenen Altersstufen an die kantonale Meisterschaft zu schicken.

Bild mit: Till, Rrezeart, Raphael, Nasrad, Jan und Kamran (v.l.n.r.) am Swisscup in Biel

Regiocup in Bern
An einem Samstag im September war es dann soweit und wir fuhren zusammen zum Regiocup, welcher in Bern Bethlehem auf einem Schulhausareal stattfand. Es regnete immer wieder, was den Platz rutschig und somit schwer zum spielen machte. Beim aufwärmen konnten sie mit der Mannschaft aus Neuenegg in einem Freundschaftsspiel gut mithalten und so gingen sie mit einem guten Gefühl in die ersten Spiele. Was dann folgte war echt toll anzusehen. Die Jungs kombinierten und dribbelten sich wie Wild durch die gegnerischen Reihen und bis zum Finale gewannen sie jedes Spiel mit einem Abstand von mindestens vier Toren und dominierten von A bis Z. IM Finale kam es zu einem dramatischen Penatlyschiessen. Da ihr Gegner aus Bethlehem kam, war das Publikum gegen Sweaty Bob und mit lauten Pfiffen und Buh-Rufen versuchten sie sie aus dem Konzept zu bringen. Am Ende konnte sich Sweaty Bob knapp mit 10:9 im Penaltyschiessen durchsetzen und sich so für die Schweizermeisterschaft qualifizieren.

Swisscup in Biel
Die Jungs reisten alleine mit dem Zug an und ich empfing die Mannschaft in Biel, meinem Wohnort. Mit grossem Selbstvertrauen kamen die Jungs nach Biel mit dem Ziel Schweizermeister zu werden. Die Gegner kamen aus allen Ecken der Schweiz und bestanden aus den Fairplay- sowie sportlichen Siegern ihres Kantones. Die Jungs wussten also, dass heute einige starke Gegner auf sie warten würden. Es brauchte zwei Minuten im ersten Spiel bis zu Sweaty Bobs ersten Tor und von da an war der Knoten geplatzt. Wie schon an der bernischen Meisterschaft marschierten sie durch die Vorrunde. Manchmal musste ich ihnen sogar zurufen, dass sie einen Gang zurückschalten sollten, damit sie ihre Gegner nicht zu sehr demütigen. An diesem Tag gelang ihnen alles und so zog Sweaty Bob souverän und total verdient in den Final ein. Der Gegner mit dem Namen «Big Show» der dort wartete kam aus Luzern und war letztes Jahr bereits zweiter geworden. Big Show konnte also kicken und war bereits sehr eingespielt und dominierte den Tag über die andere Gruppe noch deutlicher als Sweaty Bob. Vor den Finalspielen gab es noch ein Promispiel wo unter anderen Gian Simmen, Mary Sway usw. mitspielten. Kommentiert wurde es von der Trainerlegende Ottmar Hitzfeld. Doch unsere Jungs wollten davon nicht viel wissen und waren mit ihren Gedanken bereits beim Finalspiel. Nebst der Trophäe für den Sieg, winkte noch die Teilnahme an einem Turnier im Ausland. Im Finalspiel trat Sweaty Bob dann konsequent auf. Es wurde nicht mehr unnötig gedribbelt und möglichst schön gespielt, sondern alles dem Erfolg untergestellt. Und so konnten sie mit einer bärenstarken und schnörkellosen Leistung den Gegner 2:0 besiegen und wurden Schweizer Streetsoccer Meister in der Kategorie U14! Auch ich war völlig aus dem Häuschen und schrie mit den Jungs um die Wette und feierte sie. Bei der Pokalübergabe waren viele Zuschauer dabei und überglücklich empfingen die Jungs den Pokal. Zum Abschluss lud ich sie noch zum besten Kebap in ganz Biel ein.
 

Intercitycup in München – erleben und geniessen
Das Highlight und gleichzeitig das Ende dieser tollen Fussballreise markierte das Turnier in München im Mai 2018. Leider konnten die Brüder Kamran und Nasrad nach langem hin und her nicht mit nach München reisen aufgrund ihrer Aufenthaltsgenehmigung. Somit haben wir noch kurz vor dem Turnier Ersatz gebraucht und mit Noah und Levi auch gefunden. Nach einer 8 Stundenfahrt waren wir in München und sind direkt zu den Spielfeldern gefahren. Das Streetsoccerturnier war dort eingebettet in ein grosses Strassenfest und somit war richtig was los rund und die Spielfelder. Es gab Breakdanceeinlagen, Sprayworkshops und diverse Bands traten auf. Das Interessierte die Jungs von Sweaty Bob jedoch herzlich wenig, denn sie wollten nur eins: Fussballspielen. Ich habe sie daran erinnert, was sie alles schon erreicht haben und nun einfach spass haben sollen, um diese einmalige Gelegenheit geniessen zu können und es nicht so wichtig sei welchen Platz sie hier belegen werden. Das Turnier startete und jeder Match war wie erwartet sehr schwer und hart umkämpft. Am Ende belegte Sweaty Bob den zweiten Rang in der Vorrunde, wobei sie sich nur einer Mannschaft aus dem Südtirol geschlagen geben mussten. Mir ist eine Szene ganz besonders in Erinnerung geblieben. Ein gegnerischer Spieler der geschätzt 80 Kilo wiegt hat den Ball und schirmt diesen ab, Noah und Levi (beide halb so gross und schwer) setzen nach, Noah wird zu Boden gedrückt, sein Knie blutet ein bisschen, keine Sekunde später steht er wieder und bearbeitet den Riesen weiterhin bis dieser den Ball verliert. Es war wirklich schön den Kampfgeist dieser Jungs mitzuerleben. Am nächsten Tag findet die KO-Phase statt und nachdem Sweaty Bob den Viertelfinal übersteht müssen sie sich leider im Halbfinal, in der Verlängerung knapp geschlagen geben. Obwohl sogar der Gegner beim Schiedsrichter intervenierte (es war ein klassisches Wembley Tor), denn sie wollten so auch nicht gewinnen, wertete dieser das Tor und so verlor Sweaty Bob das Halbfinal mit 2:3. Somit war das Turnier für die Jungs beendet und so ging es gleich wieder los mit dem Car in Richtung Bern. Spät in der Nacht am Sonntag kamen wir an und wurden von den Eltern der Jugendlichen empfangen.

Bild mit: Jan, Rrezeart, Raphael, Noah und Levi am Intercity-Cup in München (v.l.n.r.)

Ich bin unglaublich stolz auf die Jungs und jeder von ihnen hat stets alles gegeben. Sie sind in diesen Turnieren zusammengewachsen und haben sich auch nachdem klar war, dass nicht alle mit nach München fahren können nicht entmutigen lassen. Toll war auch wie selbstständig sie die Terminplanung eingehalten haben und sogar Spieltage verschoben wurden um an dieser Reise teilnehmen zu können, das ist nicht selbstverständlich. Auch den beiden Nachrücker Levi und Noah welche spontan zugesagt haben gehört mein Dank auch sie waren ein wichtiger Teil des Teams und haben in München alles gegen. Jeder der Jungs hat seinen Teil dazu beigetragen, dass sie zusammen so erfolgreich waren und ich hoffe dass sie nächstes Jahr wieder an der Laureus Streetsoccerliga teilnehmen werden.